In der Zeit vom 03.-19.07.2018 besuchten im Durchschnitt 10 der 16 angemeldeten Kinder und Jugendlichen des Hauses der Jugend Berlin- Mitte das Bode-Museum.

Ziel war es, Mädchen und Jungen, die im normalen Alltag aufgrund ihrer Herkunft und ihres finanziellen und kulturellen Hintergrunds eher selten Zugang zu Museen  mit ihren umfassenden und unglaublichen Schätzen erhalten, diese Werte näher zu bringen.

Angelehnt an ihre Erfahrungsbereiche wie die ihnen bekannten vier Wände, ihr Wunschzimmer, ihre Lieblingsplätze im eigenen Zu Hause suchten die Teilnehmenden am Workshop „Hier sind wir!“ im Bode-Museum der Staatlichen Museen zu Berlin Plätze, die für sie Bedeutung haben könnten. Unwillkürlich und wie nebenbei setzten sie sich mit Kunstwerken auseinander, empfanden Nähe, Distanz, eine besondere Anziehung und Anregung, sich zu den Kunstwerken auseinander zu setzen.

Gemeinsam interpretierten sie Bilder, Skulpturen und Räume. Trotz oder gerade wegen ihres muslimischen Hintergrundes setzten sie sich insbesondere mit Kunstwerken zur Kreuzigung von Jesus auseinander. Hier bevorzugten sie Darstellungen, die lebensnah erschienen, Gefühle der Umstehenden, Natur und Umgebung erkennen ließen. Sie machten sich durch Erzählungen mit den Ereignissen, das Warum und Wie, vertraut und berichteten von ihrem Gelernten in der Schule zu dieser Thematik.

Wie auch im vergangenen Jahr nahmen die Kinder und Jugendlichen die Kunstwerke sehr interessiert wahr, lasen eher nicht die dazu gehörenden Texte, interpretierten viel mehr ihre eigene Wahrnehmung der Malereien und Skulpturen. Neben der Kreuzigung von Jesus beeindruckte die Mädchen und Jungen vor allem die „Tänzerin“, ihre Schwester, die auf Jagd ging, die Herrenbüsten mit gekräuselten langen Haaren. Es entstanden eigene Orientierungskarten der einzelnen Etagen des Museums. Lieblingsräume wurden der Spiegelraum, ein kleiner rosafarbener Raum und der große Raum, in dem die oben benannten Skulpturen zu finden sind. Die Teilung des Raumes durch eine dunkelblaue Wand und somit die Hervorhebung der „Tänzerin“ wurde als sehr stimmig empfunden, die Teilnehmenden nutzten den Raum zwischen Wand und „Tänzerin“ bzw. vor der „Tänzerin“, um letztendlich die zur Verfügung gestellten XXL-Matten zu installieren. Auf ihnen wurde diskutiert, zusammengefasst, ausgeruht, Skizzen begonnen. Am Schluss des Workshops während der Dekorierung des Raumes mit den eigen gefertigten Ergänzungen bildete eine der Matten den Rahmen für ein Objekt.

Ausgangspunkt für die eigene kreative Phase während des Workshops war die Frage, was die jungen Menschen den anwesenden Figuren im benannten Raum zeigen würden, was es in den Jahrhunderten zuvor nicht gab. Es entstand eine lange Liste verschiedener Gegenstände aus dem Lebensfeld der Mädchen und Jungen. Aus großen Pappen wurden Flugzeug, Steckdose, Handy, ein neues Kleid, Schminke, Hamburger, Eis und vieles mehr gefertigt. Es galt, für alles den richtigen Platz im Museum zu finden und zu begründen, warum die einzelnen Objekte genau an den entsprechenden Kunstwerken installiert wurden.

Ein wesentlicher Schwerpunkt erzieherischer Arbeit war es, mit Ruhe, Freundlichkeit und Geduld die Räume zu erkunden, dem Museumspersonal zu begegnen und sich selbst gegenseitig zu akzeptieren. Das ist der Gruppe in vielen Situationen und im alltäglichen Miteinander überwiegend friedvoll gelungen. Von vielen Museumsmitarbeitenden wurden die Mädchen und Jungen bereits am 2.Tag mit freudigem Lächeln begrüßt, ihr Tun in den Räumen akzeptiert.

Diejenigen, die bereits ein 2.Mal am Workshop teilnahmen, freuten sich sehr, wiederum mit der Künstlerin Karen Winzer kooperieren zu können, die Neuen nahmen sie sofort an. Schnell gab es einige Schnittmengen, so arbeiteten sie angeregt und ohne Einschränkungen miteinander. Viel Einfühlungsvermögen und genaues Beobachten der Kinder und Jugendlichen durch Karen in Absprache mit mir führten zu einer guten Balance der Methoden und des vielseitigen Arbeitens, zu einem interessanten, nie langweilig werdenden Auseinandersetzen mit verschiedenen Kunstwerken.

Welche Empfehlungen für nachfolgende Workshops können gegeben werden:

  • Auch das Bode-Museum eignet sich sowohl von den Kunstwerken als auch von der Größe her zum Umsetzen der Zielstellung, Kinder und Jugendliche an die Schätze der Staatlichen Museen zu Berlin heranzuführen.
  • Die Werkräume unten im Keller und oben im 2. Stock bieten Freiraum, selbst kreativ tätig zu werden und Rückzugsraum, sich ungezwungen bewegen zu können, zu essen und zu trinken, Pause zu machen. Mit 15 Kindern und Jugendlichen hätte der Raum, den wir am meisten nutzten, jedoch nicht ausgereicht.
  • Die Anzahl von 10-12 Teilnehmenden sollte für eine nachhaltige künstlerische Arbeit nicht überschritten werden.
  • Die XXL-Matten haben ihren Zweck erfüllt, Räume einzugrenzen, Diskussionspausen auf konzentriertem Raum zu führen, gemeinschaftlich Werke zu betrachten. Sie waren gut händelbar, nicht zu schwer, nicht zu groß und aufgrund ihrer Dreiteilung verschieden einteilbar.

Zum Schluss ein großes Dankeschön an alle, die sich für die Umsetzung solcher Projekte einsetzen. Tatsächlich hätten inzwischen bereits viele Kinder unserer Einrichtung erheblich seltener Zugang zu unseren Kunstschätzen erhalten. Die hier gewonnenen Eindrücke werden sie weiter in ihrem Leben begleiten und den Umgang mit anderen Bereichen und Epochen der Bildenden Kunst erleichtern.